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Wertbestimmung historischer Wertpapiere

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Wertbestimmung historischer Wertpapiere

1. Häufigkeit von Wertpapieren

Wie überall gilt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, seltenere Papiere erzielen höhere Wertsteigerungen als sogenannte Massenware. Sehr viele Wertpapiere sind in niedriger Anzahl begeben worden. Einen guten Einblick in die Häufigkeit einer Emission geben alte Börsenfachbücher oder aber der Suppes Katalog, dem Wertpapierpendant zum Michelkatalog bei Briefmarken. Sollten Sie Interesse am Bezug dieses Kataloges haben, so setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung. Die ehemalige Emissionsmenge sagt jedoch noch nichts über die Verfügbarkeit dieser Stücke am Sammlermarkt aus – oftmals sind nur wenige Stücke vor der Vernichtung gerettet worden, manchmal finden sich nur noch Einzelstücke, die seltener sind die meisten noch teurer bezahlten Briefmarken. Auch werden heute kaum noch Wertpapiere gedruckt, der Nachschub versiegt also gegenüber anderen Sammelgebieten!

Risiko: Ein Wertpapier, das heute noch als selten gilt und für das hohe Preise bezahlt worden sind, kann morgen schon einen starken Preisverfall erleben. Ein typisches Beispiel für solch einen Fall finden wir in der Aktie der Maschinenbau AG UNION, Essen, die früher oftmals mit Euro 250,00 bezahlt wurde, nun aber - nach dem Auffinden einer Menge weiterer Exemplare - teilweise schon mit nur noch 50,00 Euro verkauft wird. Des einen Leid, des anderen Freud – Dachbodenfunde oder das sonstige Auftauchen größerer Mengen an Wertpapieren sind für Sammler oftmals DIE Gelegenheit, sich Stücke zuzulegen, die vorher nicht erschwinglich waren.

2. Gestaltung des Wertpapiers

Je attraktiver ein Papier optisch gestaltet ist und je dekorativer es damit wird, umso höher wird ein Stück bewertet. Schlicht gestaltete Ausgaben werden seltener, Wertpapiere, gestaltet von bekannten Künstler (z.B. Mucha), dagegen umso häufiger nachgefragt. Nicht umsonst spricht man bei vielen Stücken von „ Kunst auf Wertpapieren“.
Aber auch die typischen kleinen Abbildungen, meist Stahlstiche mit Darstellungen zum Geschäftsbereich des Unternehmens, können optisch sehr ansprechend sein. Diese Abbildungen nennt man Vignette.


Kunst auf Wertpapieren: Die Aktie der Banco de Cartagena zeigt das berühmte Gemälde „ Merkur und Argos“ von Velazquez. Daher erfreut sich dieses Wertpapier auch bei vielen Kunstliebhabern großer Beliebtheit, die sonst mit Wertpapieren eher seltener in Kontakt kommen.


3. Bekanntheitsgrad und wirtschaftshistorischer Hintergrund

Je mehr Sammler ein Papier kennen, umso höher ist der Preis, der gezahlt wird. Wirtschaftlich bedeutende Gesellschaften sind daher oftmals wertvoller als so manche kleine Aktiengesellschaft, deren Aktien sogar in einer niedrigeren Auflage emittiert wurden. Die Werthaltigkeit steigt zudem umso mehr, wenn noch eine bekannte Persönlichkeit das gute Stück unterschrieben hat. In Fällen, dass Wirtschaftsgrößen ihrer Zeit ein Papier signiert haben, so spricht man von „Autographen“. Typische Beispiele hierfür sind Unterschriften von Rockefeller, Getty, Mannesmann, Edison, Goethe oder aber auch von politischen Größen wie Adenauer. Wichtig: Alle Unterschriften sollten im Original geleistet worden sein, gedruckte Unterschriften, sogenannte Faksimile, haben bei weitem nicht den Wert von Originalen!

4. Alter des Wertpapiers

Je älter ein Wertpapier ist, umso mehr wert ist es im Vergleich zu jungen Ausgaben, die womöglich noch in hoher Auflage am Markt sind. Der Markt hat dabei für verschiedene Zeiträume auch andere Bezeichnungen gefunden, die es dem Sammler ermöglichen, eine gewisse – oftmals damit verbunden auch optische – Abgrenzung vorzunehmen.

So wird unter anderem nach Gründeraktien (1870-1873 – auch Thaler – Aktien), Jugendstil-, Inflations-, Dritte-Reich – Papieren und danach D-Mark Aktien unterschieden.

Wertpapiere, die vor 1800 begeben worden sind, gelten allgemein als Inkunabeln. Wenn auch dieser Begriff eigentlich auf Buchexemplare des ausgehenden 15. Jahrhunderts bezogen ist, wo in den Anfängen der Buchdruckerkunst mit beweglichen Drucklettern gearbeitet wurde, so wurde dieser Begriff auch auf den Bereich historischer Wertpapiere ausgedehnt. Alte Wertpapiere sind oft eine Kombination aus vorgedrucktem Inhalt und handschriftlichen Ergänzungen

5. Erhaltungszustand des Wertpapiers

Dem Zustand des Wertpapiers kommt bei der Frage des Wertes eine große Bedeutung zu.

Je unversehrter ein Wertpapier ist, umso wertvoller ist es. Typische „Verschmutzungen“, die ein Laie zunächst vermuten würde, steigern dagegen eher noch den Wert. Hierzu zählen beispielsweise verschiedene auf dem Wertpapier angebrachte Stempel oder Siegel. Was sich dagegen wertmindernd auswirkt sind: Knickfalten, Flecken jedweder Art, Randeinrisse, Fehlstücke sowie Beeinträchtigung durch Entwertung.

In den letzten Jahren hat sich ein Bewertungsschema etabliert, das allen Sammlern ermöglichen soll, anhand dieser Klassifizierung zumindest einen Überblick über den Erhaltungszustand zu bekommen, ohne das Papier unbedingt vorher selber gesehen zu haben:

UNC = uncirculated

Hierbei handelt es sich quasi um neuwertige, ausgabefrische, saubere und glatte Stücke ohne Lochung oder Schnitte.

EF = extremely fine

Noch guter Zustand bei minimalen Gebrauchsspuren jedoch keine Einrisse und Flecken, eine kaum sichtbare Knickfalte fällt noch unter diese Klassifizierung.

VF = very fine

Papier mit mittleren Gebrauchsspuren, kleinere Flecken und Randeinrisse, auch Knickfalten können in leichter Form vorhanden sein.

F = fine

Stärkere Umlaufspuren mit Mehrfachfaltungen, stärkeren Flecken, leichten Einrissen.

VG = very good

Starke Gebrauchsspuren bei mittleren Rissen und Fehlstücken.

G = good

Starke Gebrauchsspuren mit stark sichtbaren Faltungen, größere Risse, mittlere Fehlstellen und stärkere Flecken.

Fair/Poor = schlechter Zustand

Nicht mehr sammelwürdig wegen großer Flecken, Risse und großer Fehlstellen.

Gehen Sie deshalb immer sehr sorgsam mit Ihren Papieren um und beachten Sie die folgenden Pflegehinweise.

6. Popularität des Sammelgebietes

Auch hier gilt: Je mehr Sammler sich um ein Sammelgebiet kümmern, umso höher sind die Preise. Bekannte Branchen wie Autos, Eisenbahnen oder Banken sind in der Regel teurer zu bezahlen als unbekanntere Branchen.

Eisenbahnen sind ein beliebtes Sammelgebiet – eine Aktie, die dieses Sammelgebiet mit Exotik und prächtiger Gestaltung kombiniert ist das Papier der Compagnie Impériale des Chemins de Fer Éthiopiens S.A.. Aktie über 500 Francs aus dem Jahr 1899.

Dieser großformatige Titel zeigt den äthiopischen Kaiser Menelik II. bei der Ankunft eines Zuges, die Aktie wurde gestaltet vom berühmten Pariser Maler Louis Bombled.


7. Höhe des Ausgabennummer

Oder genauer gesagt: je niedriger die Ausgabenummer, umso besser. Diese Regel gilt jedoch nicht für alle Sammler, viele interessieren sich auch ohne niedrige Nummer für das Papier. Andere Sammler konzentrieren sich auf die niedrigsten Ausgabenummern, am liebsten das erste Papier. Diese Sammler werden „ Nr.1“ – Sammler bezeichnet.

Die Liste möglicher Kriterien ließe sich noch verlängern, z.B. um Druckverfahren und Druckanstalt, Steuermarken, Papierqualität, Format etc.

Was für den Sammler nach persönlichen Maßstäben wichtig ist, kann für die Bewertung eines Papieres aber durchaus zweitrangig sein. So ist gerade für viele Sammler die Regionalität wichtig – was einem Regionalsammler lieb und teuer ist, kann bei überwiegend jungen, undekorativen oder ansonsten eher unbekannten Gesellschaften preislich aber trotzdem allgemein niedrig sein und vor allem auch bleiben.