Historische Wertpapiere - Florian Weber - Home

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Über uns

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Einführung

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Sammlertipps

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Auktionen

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Online Shop

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Links

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Kontakt

Historische Wertpapiere - Florian Weber - Literaturtipps

 
AGB's
Datenschutz
Impressum
1. Was sind historische Wertpapiere2. Was macht die Faszination aus
3. Verschiedene Arten der Wertpapiere4. Historische Entwicklung von Wertpapieren
5. Was steht auf einem Wertpapier6. Begriffserläuterung

7. Hitlers Erbe

 


 

Hitlers Erbe

Oder was die Wiedervereinigung für den Wertpapiersammler gebracht hat.

Zur jüngeren Geschichte der Reichsbank und des BARoV.

Was hat das Nazi – Regime mit historischen Wertpapieren zu tun?

Nun, sicherlich wurden auch in den Zeiten des Dritten Reiches Aktienemissionen begeben, sicherlich wurden zur Finanzierung der Kriegsindustrie Anleihen verkauft...sicherlich, sicherlich...
Aber das macht nur eine Nuance der vielfältigen Formen historischer Wertpapiere aus, das Druckbild, die Geschichte – alles dies ist nur ein Federstrich auf der Skala der letzten Jahrhunderte.

Dass diese Zeit dennoch eine wesentliche Auswirkung auf den heutigen Markt historischer Wertpapiere hat, das soll im weiteren Verlauf erklärt werden.


Ein typisches Wertpapier, wie es in den Beständen des BARoV häufig vorkommt. Aktie der Kabelwerke Rheydt über 100 Reichsmark und war zuletzt als AEG-Kabelwerke Rheydt zuletzt Bestandteil des AEG Konzerns.

  Wie vorweg erwähnt hat sich die Wertpapierverwahrung in den letzten Jahrhunderten wesentlich verändert. War es früher noch üblich, Wertpapiere unter Schränken, in Schatullen oder Tresoren zu verstecken, so setzte sich Mitte des 19. Jahrhunderts der Gedanke der Sammelverwahrung von Wertpapieren durch. Aus der Bank für den Berliner Kassenverein entwickelte sich das in seinen wesentlichen Zügen noch heute bestehende Wertpapierverwahrungs – und Abrechnungssystem.
Aus der Bank des Berliner Kassenvereins ging die Reichsbank hervor, die als Wertpapiersammelbank fungierte. Zu den Aufgaben der Wertpapiersammelbank gehörte die Verwaltung und Verwahrung von Wertpapieren verschiedener Bankhäuser, die ihre durch Kunden anvertrauten vertretbaren Wertpapiere an die Reichsbank weiterleiteten. ( Vertretbare Papiere oder auch fungible Papiere sind sogenannte bewegliche Sachen, die von gleicher Beschaffenheit sind und im Verkehr nach Zahl, Maß oder Gewicht bestimmt werden. Aktien, Anleihen etc. sind vertretbar, weil bei gleichem Nennwert bzw. gleicher Stückelung jedes Papier die gleichen Rechte verkörpert.) Die Reichsbank verwahrte einen Großteil der girosammelverwahrten Wertpapiere.

Unterstützt wurde die zentralistische Sogwirkung der Reichshauptstadt Berlin dann noch durch Verfügungen der Naziregierung. Zunächst wurde das Depotgesetz, welches das seit dem 05.07.1896 geltende „Gesetz betreffend der Pflichten der Kaufleute bei der Aufbewahrung fremder Wertpapiere“ ablöste, am 04.02.1937 in Kraft gesetzt. Danach beraubten die Nazis die Opfer ihrer Politik planmäßig und befahlen die Lagerung aller der aus diesen Aktionen von Vermögenseinzügen rassistisch verfolgter Mitbürger eingezogener Wertpapiere bei der Reichsbank in Berlin (Reichsbürgergesetz vom 25.11.1941)
Nach diesem Erlass Ende April 1942 erfolgte die weitere Zentralisierung und 1943 war die Reichsbank die einzige Wertpapiersammelbank Deutschlands. Da auch die großen Streifbandbestände der Berliner Banken in ihr eingelagert waren, befanden sich daher große Teile aller ausgegebenen Wertpapiere – deutscher wie ausländischer Herkunft – zum Zeitpunkt des Kriegsendes im Jahr 1945 in der Reichsbank.

Mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches existierte weder eine funktionierende zivile Wirtschaft – alles war auf die Aufrechterhaltung der Kriegsproduktion ausgerichtet – noch ein funktionierendes Geldwesen. In den Kriegswirren der letzten Tage kam es zu chaotischen Zuständen sowohl im produzierenden Gewerbe als auch bei Banken. „Eigentumsbemächtigungen“ waren an der Tagesordnung, so dass nach wenigen Wochen kein Überblick über Verbleib und rechtmäßiges Eigentum mehr bestand.

Der Zufall wollte es, dass die Reichsbank zum Zeitpunkt des Kriegsende auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzung lag, ebenso wie die drei Großbanken sowie eine Vielzahl sonstiger Banken. Die ideologische Vorgabe der Sowjets war zunächst darauf bedacht, ein Aufkeimen deutscher Wirtschaft zu verhindern – zudem bestand die Meinung, dass das Kapital wesentlicher Mitverursacher des Krieges gewesen sei. Zur Kontrollerlangung und zur Unterbindung aus Sicht der Sowjets unerwünschter Entwicklungen wurden bereits kurz nach Einsetzung der zivilen Aufgaben der Besatzer erste Erlasse zur Regulierung der Wirtschaft veröffentlicht. Wesentlicher Bedeutung kam dabei dem Geld- und Bankwesen zu, so dass auch der bekannte Befehl Nummer eins der SMAD ( Sowjetische Militäradministration ) auf eben jenen Sektor zielte. Unmittelbar nach Besatzungsbeginn, im April 1945, erließ der SMAD für Berlin den Befehl, dass Inhaber von Bankhäusern und Bankdirektoren alle Finanzgeschäfte unverzüglich einzustellen haben und darüber hinaus alle Safes zu verschließen seien. Im Juli des Jahres wurde dieser Befehl erweitert und auch auf die restliche sowjetische Besatzungszone ausgedehnt, indem das Verbot ausgegeben wurde, keinerlei Zahlungen auf alle Arten von Anleihen, die bis zur Kapitulation Deutschlands ausgegeben worden sind, vorzunehmen. Auch die Bedienung sonstiger Wertpapiere wurde dadurch unmöglich gemacht.
In einem späteren Urteil des Obersten Gerichts der DDR wurde dies so ausgelegt, als seien die Wertpapiere „blockiert“ – die Anleger seien also weder enteignet, die Papiere nicht konfisziert o.ä. worden. Als Anleger komme man halt nur nicht an seine Papiere heran – damit war die Kraftloserklärung dieser Wertpapiere unmöglich gemacht worden.

Im Laufe der nächsten Jahre – über verschiedene alliierte Organisationen wie die Finanzverwaltung der SMAD, der alliierten Bankenkommission (bis Ende 1950) – wurden durch verschiedene Erlasse – z.B. die Separation und Ablieferung von Wertpapieren ausländischer Emittenten – immer mehr Verwaltungsvorschriften erlassen, die einen strukturierten Umgang mit den Wertpapieren und den Rechten daran erlauben sollten. Allerdings stellte sich in den ersten Jahren nach Kriegsende heraus, dass aus den ehemaligen engen Partnern des Kampfes gegen Hitlerdeutschland ideologische Feinde wurden. Diese Entwicklung fand ihren ersten Höhepunkt in der Währungsreform Westdeutschlands, bei der in den drei Besatzungszonen der USA, Frankreichs und Englands ( wie der Volksmund es nannte : Trizonesien ) die Währung gewechselt wurde und mit der Einführung der D-Mark ein neues Wirtschaftszeitalter eingeläutet wurde.
Diese unter heftigem Widerstand der Sowjets stehende Maßnahme sorgte daraufhin auch für eine harte Haltung der sowjetischen Besatzer und sorgte formal am 07. 10 1949 mit der Gründung der DDR für die nun nicht nur faktische sondern auch formale Trennung Deutschlands, nachdem am 15. September 1949 Adenauer vom Bundestag zum Bundeskanzler gewählt worden war.

Als Folge davon wurde die Bankenkommission im Jahre 1950 aufgelöst und das Ministerium der Finanzen der Deutschen Demokratischen Republik mit der Abteilung „Tresorverwaltung“ erlangte die Zuständigkeit und in den folgenden zwanzig Jahren wurden die Bestände an Wertpapieren gesichtet, erfasst und katalogisiert. Die Zuständigkeit wechselte zwischendurch und lag zuletzt beim Amt für Rechtsschutz des Vermögens der DDR.

In der DDR-Wirtschaft gab es eine Einrichtung, die "Abteilung für Kommerzielle Koordination" hieß, abgekürzt "KoKo", mit Alexander Schalck-Golodkowski an der Spitze, dem enge Beziehungen zu Franz-Josef Strauß (CSU der BRD) nachgesagt werden. Sie veräußerte DDR-Waren, darunter Waffen, und Kunstschätze gegen Devisen ins Ausland und kaufte dafür Westwaren, u.a. für die SED-Politbüro-Mitglieder. Mit der zur „KoKo“ gehörenden Kunst und Antiquitäten GmbH vereinbarte das Amt für Rechtsschutz des Vermögens der DDR den Erwerb einzelner Wertpapierpakete, manchmal verschwanden auch ganz spezielle Einzelstücke aus den Tresoren, die dann ihren Weg in den deutschen Sammlermarkt fanden. Gerade diese Einzelstücke sorgten oftmals für hohe Devisenerlöse, was wiederum das Amt verärgerte, weil dieses nur einen Bruchteil der eigentlichen Werte erhielt.

Bundesrepublik reagiert mit Wertpapierbereinigungsgesetz auf Blockierung der Wertpapiere in der DDR

Da durch die Kriegsereignisse Wertpapierbestände vernichtet wurden oder in unrechtmäßige Hände gelangten, entstand eine erhebliche Rechtsunsicherheit. Auch die Blockade der Wertpapiere durch die DDR, die ein Aufgebot der Wertpapiere unmöglich machte, sorgte für diese Rechtsunsicherheit, zu deren Beseitigung die Wertpapierbereinigung eingeleitet wurde. So wurde am 01.10. 1949 das Wertpapierbereinigungsgesetz in Kraft gesetzt – es sollte den Eigentümern der Wertpapiere wieder ihre volle rechtliche und faktische Verfügungsgewalt verschaffen und bezog sich nur auf Wertpapiere mit Sitz in der Bundesrepublik. Diese Papiere wurden alle mit dem 01.10.1949 für kraftlos erklärt und durch eine Sammelurkunde ersetzt. In der Folgezeit konnten dann die eigentlichen Eigentümer durch verschiedene Nachweise darlegen, dass sie rechtmäßige Eigentümer eines Teils der Gesellschaft waren, und sie erhielten daraufhin einen Bruchteilseigentum an der Sammelurkunde.
Das Gesetz wurde ergänzt um ein Bereinigungsgesetz für deutsche Auslandsbonds aus dem Jahr 1952 sowie um drei Ergänzungsgesetze und fand seinen Abschluss mit dem sogenannten Wertpapierbereinigungsschlussgesetz aus dem Jahr 1964, nachdem mit Ablauf des Jahres 1964 keine Anträge zum Wertpapierbereinigungsverfahren mehr gestellt werden konnten.

Die abschließende Regelung der deutschen Auslandsschulden erfolgte durch das Londoner Schuldenabkommen vom 24.08.1953, im allgemeinen Kriegsfolgegesetz vom 05.11.1957 wurden die von der vorherigen Wertpapierbereinigung nicht erfassten Reichstitel, hier die vom Deutschen Reich inclusive des Sondervermögens ( Bahn und Post etc. ) im Gegenwert von 394,75 Milliarden Reichsmark „abgelöst“, Ansprüche waren daraufhin erloschen.

Mit dem am 24.12.1975 in Kraft getretenen Gesetz zum Abschluss der Währungsumstellung wurden zuletzt alle anderen bisher noch nicht erfassten Papiere abgedeckt, und das zog einen Schlussstrich unter alle Entschädigungsansprüche. Somit waren die Rechte aus den Urkunden damit erloschen.

Wiedervereinigung und Reichsbankbestand, das BARoV versteigert Millionen Wertpapiere

Als die ersten Tendenzen zu einer möglichen Wiedervereinigung erkennbar waren, machte sich die damalige Bundesregierung bereits Gedanken über die während der DDR-Zeit durchgeführten Enteignungen und die damit möglicherweise bestehenden Rückgabeansprüche Dritter. Zwar wurde im Einigungsvertrag eine Art Bestandsschutz festgeschrieben, dennoch war erkennbar, dass Ansprüche Dritter bestehen würden. Das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen, kurz BARoV, sollte sich dieser Problematiken annehmen.
Dazu wurde zunächst mit dem Entschädigungs- und Ausgleichsgesetz im Jahr 1994 dafür gesorgt, dass die im Ostteil Deutschlands befindlichen Wertpapiere ähnlich wie nach dem Wertpapierbereinigungsgesetz, welches ja nur für die Gesellschaften auf Westgebiet galt, für kraftlos erklärt wurden. Damit konnte ein ursprünglicher Eigentümer keine Rechte mehr aus den Wertpapieren an den entsprechenden Unternehmen mehr herleiten – sein Besitzanspruch auf die Urkunde, also das eigentliche Wertpapier – war dadurch jedoch nicht erloschen, er hatte einen Herausgabeanspruch. Anträge auf Herausgabe der Urkunden konnten daraufhin bis zum 31. Mai 1995 beim BARoV gestellt werden, und immerhin gingen ca. 4.500 Anträge beim Bundesamt ein, die sich zusammengenommen auf über 100.000 Einzelansprüche verteilt haben.
Nachdem alle Anspruchsberechtigten befriedigt worden sind bzw. unberechtigte Ansprüche zurückgewiesen wurden, konnten die verbleibenden der insgesamt ca. 26 Millionen Wertpapiere, die bei der Reichsbank und zugeordneten Stellen lagerten, der Verwertung zugeführt werden. Wesentliche Mengen wurden vernichtet, da sie entweder stark beschädigt waren, mit Wasser- oder Rostflecken verunreinigt oder aber durch starken Schimmelbefall nicht mehr verwertbar waren.

 

Auch ein Wert aus dem Bestand des BARoV: Badische Bank aus Mannheim – hier die Ausgabe aus dem Jahr 1871 über 350 Gulden oder 200 Thaler. Noch heute als Baden- Württembergische Bank tätig. Dekorative Gestaltung mit schöner Randornamentik.

Verbleibende Wertpapiere werden in mehreren Staffeln – je nach Sachstand der Anspruchsklärung sowie Anzahl der vorhandenen Papiere – versteigert. Der Erlös ist für den Entschädigungsfonds gedacht, aus dem statt der dinglichen Übertragung von Grundstücken und Gebäuden den Anspruchsberechtigten ein Geldbetrag als Entschädigung für erlittene Enteignungen zukommen soll.

Und damit sorgt die Reichsbank gut 60 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches für eine deutliche Belebung des Marktes für historische Wertpapiere. Urkunden, die seit Jahren nicht mehr oder gar noch nie am Markt erschienen waren, sind nun für den Sammler verfügbar. Seltene Stücke, die über Jahre hinweg nur zu hohen Preisen zu erwerben waren, kann man nun zu erschwinglichen Preisen erwerben und seine Sammlung vervollständigen.

Dies hat zwar vielen Anleger unter den Sammlern Wertverluste beschert, gehört aber zum Risiko dieses Sammelgebietes – man kann nie wissen, ob sich nicht auf irgend einem Dachboden plötzlich doch noch viele Stücke eines ehemals seltenen und damit auch teuer bezahlten Wertpapiers finden, die dann auf den Sammlermarkt strömen.
Dennoch – wer seltene Stücke sammelt, der wird auch zukünftig in der Mehrzahl der Fälle Wertsteigerungen erfahren können. So wurde zuletzt in London bei einem der etabliertesten Versteigerer weltweit eine Gründeraktie der Deutschen Bank zugeschlagen – für den stolzen Preis von gut 100.000 Euro.


Verwendete Literatur